Mittwoch, 1. November 2017

Sonde

"Wenn du nicht isst oder auch nur hundert Gramm abnimmst, dann müssen wir dich an die Sonde hängen" (Ich blieb ohne Sonde)
Dieser Satz wurde mir entgegen geschleudert, vor ca. 3 Monaten, vielleicht auch vor 4, ich weiß es nicht, habe das Zeitgefühl verloren.
Die Sonde - eine Sache, die mir unendliche Angst bereitet, seit Jahren, egal, wie weit sie weg zu sein scheint. Und doch ist da dieser kleine Bruchteil, der sich die Sonde wünscht. Denn erst dann bin ich krank genug, richtig?
Und seitdem ist mein Leben noch mehr Achterbahn als zuvor. Ich esse "normal" (für meine Verhältnisse...regelmäßig passt wohl besser), drehe kurz durch und esse ein, zwei Tage nichts und gehe zurück zum regelmäßigen Essen. Repeat. Wieder und wieder. Immer noch auf der Jagd nach dem Rekord. Die Dünnste und Leichteste in der Klasse zu sein und auch notentechnisch Klassenbeste. Ich möchte dünner und leichter sein als Tinkerbell, ein Mädchen aus meiner neuen Klasse, die höchstwahrscheinlich ebenfalls essgestört ist. Ich möchte leichter sein als Tinkerbell und trotzdem Klassenbeste. Ich möchte nicht nur in einem die Beste sein und mich nur darauf konzentrieren. Das reicht nicht mehr. Ich brauche mehr und mehr und mehr, in dem ich die Beste sein kann. Aber auch das wird nicht reichen. Egal, was die Leute sagen.

Es ist egal, dass meine Therapeutin sagt, mein Tiefstgewicht ihr "Patientenrekord".
Es ist egal, dass ich bei einem Gewicht, das andere nicht mal unbedingt überleben, noch immer meine Tage bekomme.
Es ist egal, dass ich (vermutlich) Klassenbeste bin.
Es ist egal, dass ich auf Essen verzichte und Tinkerbell nicht.
Es ist egal, dass ich ein Buch geschrieben und (als e-book) veröffentlicht habe.
Es ist egal, dass meinen persönlichen Rekord im Deo-clean-sein aufgestellt habe.
Es ist egal, es ist egal, es ist egal.
Es reicht nicht.
Nie.
Ich bin nicht gut genug, zumindest für mich selbst.
Keine Sonde der Welt würde das ändern.

Und ich weiß nicht, warum ich das schreibe, warum das hier jemand lesen sollte, warum meine Gedanken so ein riesiges Durcheinander sind, aber das ist okay.

Ich wünsche mir noch immer die Sonde und hasse mich dafür, weil ich weiß, dass ich nicht mal für die Sonde gut/krank genug bin.

Montag, 13. März 2017

Update

Ich nehme wieder ab, mein Gewicht schwankt um die 38kg. Das Selbstverletzen ist wieder schlimmer geworden und ich greife auch noch immer wieder zum Deo. Immerhin bin ich seit 3 Monaten trocken.

Ich habe seit 2 Moanten einen Freund und auch, wenn der König (wie ich ihn hier nennen werde) mich glücklich macht, macht er mich oft unglücklich. Aber nicht unglücklich genug, um mit ihm zu Schluss machen und ich hasse mich dafür.

Ich gehöre zu niemanden wirklich dazu. Weder zu den Rauchern noch zum Gummistiefelmädchen und dem Rest noch zu den Memedudes noch zu sonst wem. Ich bin zerrissen, gehöre zu allen Gruppen dazu und gleichzeitig zu keiner.
Und ich weiß nicht, liegt es an mir? Ziehe ich mich zu sehr zurück? Oder liegt es an ihnen? Schließen sie mich irgendwie aus? Oder ist es beides? Ich hab keine Ahnung, ich weiß nur, ich vermisse meine Jungs.
 Ich vermisse es, zwischen dem Musiker, dem Kiffer, dem Raucher, dem Jungen mit den krassen Augen und so weiter und so fort zu stehen. Ich vermisse es, inmitten von den Jungs zu stehen, die laut sind, die lachen, reden, rufen, rauchen. Ich vermisse es, wie sie mich manchmal miteinbinden. Ich vermisse es, wie sie mich angucken, grinsen und fragen, ob ich eine Zigarette für sie hätte. Ich vermisse es, wie sie mich begrüßen. Ich vermisse vermisse vermisse das alles.

Und ich vermisse den Katzenjungen. Jedes Mal, wenn mir jemand wehtut oder ich nicht weiß, woran ich an der Person bin, schreit alles in mir auf, schreit nach dem Katzenjungen - denn auch, wenn er mir wehgetan hat, vermutlich mehr als je eine andere Person, weiß ich wenigstens, woran ich bin, was ich ihm bedeute. Nämlich nichts. Aber das ist okay. Irgendwie gibt mir der Katzenjunge Sicherheit. Und das bräuchte ich irgendwie. Aber das kriege ich nicht, also stürze ich mich in meine Essstörung, mein Selbstverletzen, meinen Deokonsum. Ich blocke ab, meine Eltern meinten, ich bin auf einem guten Weg, nochmal in eine Klinik zu kommen. Aber das ist mir egal. Mir ist alles egal, weil ich einfach nicht das haben kann, was ich haben will.