Samstag, 28. November 2015

Widersprüchlich

Ich starre die Bilder von blutenden und/oder vernarbten Armen und Beinen, von abgemagerten Körpern an und fühle nichts. Es triggert mich nicht. Kein bisschen. Heißt das, dass ich langsam gesund werde? Oder ist das nur eine Phase? Eine Ausnahme, weil ich eigentlich sehr leicht getriggert werde? Ich bin verwirrt. Und obwohl es mir zurzeit unglaublich gut geht und ich diese Zeit auch wirklich genieße, in vollen Zügen sogar, habe ich auch ein bisschen Angst davor. Es ist so ungewohnt. Ich vermisse die vertraute, graue Zeit. Einfach, weil ich es gewohnt bin. Vielleicht versuche ich deshalb zwanghaft, mich zu triggern, um zumindest für einen kurzen Moment dieses Vertraute wieder zu haben. Vielleicht habe ich auch einfach nur Angst, weil ich weiß, dass auf Höhen nun mal irgendwann Tiefen folgen und ich nicht wieder die vertraute, graue Zeit will. Das ist so abgefuckt. So verdammt widersprüchlich. Ich bin verwirrt.

Montag, 23. November 2015

Hauthunger

Mein Kopf schreit.
Nach meinem verlorenen Zwilling.
Nach dem Sternenkind.
Nach dem Narbenmädchen.
Nach der Gesellschaft des Rauchers und des Kiffers.
Nach Liebe.
Nach meinem Wolfsjungen.
Nach Deo.
Nach Klingen.
Nach Blut, das an meinem Arm herunter läuft.
Nach Alkohol.
Nach dem Leichtigkeitsgefühl, das man hat, wenn man viel abgenommen hat.
Nach Hunger.
Nach Haut - Hauthunger.
Hauthunger.
Ja.
Ich habe das Gefühl, niemals genug fremde Haut an meiner spüren zu können.
Hauthunger.
Eine Ursache eines verlorenen Zwillings.
Gott, ich vermisse ihn.
Schreibe wieder und wieder Briefe an ihn und hasse mich dafür.
Hauthunger.
Wann wird es aufhören?
Vermutlich niemals.
Mein Kopf schreit.

Samstag, 21. November 2015

Gewicht

TRIGGERWARNUNG

40,0. Diese Zahl steht auf der Waage. Minus 800 Gramm, weil ich einen Bademantel anhabe, mit meinem Handy in der Tasche, sind 39,2. Ich wiege 38,x, so viel ist sicher. Die letzten zwei Tage habe ich zwanghaft und unter Schmerzen meinen Mageninhalt in mir drin behalten, war seit gestern Mittag nicht mehr pinkeln und habe vor dem Wiegen extra getrunken. Hinzu kommt, dass ich gestern zusätzlich gegessen habe, um mein Gewicht ein bisschen hoch zutreiben. Damit sich meine Mutter keine Sorgen macht. Damit ich nicht in die Klinik muss. Damit ich den Kontakt zu meinen neuen Freunden nicht verliere. "Das kann nicht sein", sage ich zu meiner Mutter und sie stimmt mir zu.
Später unterhalten wir uns darüber, nur kurz. Sie sagt, dass das wirklich seltsam ist. "Du hast ja gestern auch verhältnismäßig sehr viel gegessen.", sagt sie. Ich nicke, mein Magen zieht sich zusammen, aber vor Freude. Ich esse und esse und nehme dennoch ab. Mir geht es gut dabei. So verdammt gut. Sie fragt, ob ich mehr geraucht habe, gestresst bin. "Gestresst bin ich,", sage ich, "aber ich rauch nicht mehr als sonst." Ob der zweite Teil stimmt, weiß ich gar nicht so genau. Durch meine neuen Freunde - den Raucher, den Kiffer, den Musiker, den Rest - werden meine Schachteln schneller leer. Teils, weil ich in der Pause mehr rauche, um länger Zeit mit ihnen zu verbringen (dafür rauche ich nach der Schule weniger, deswegen denke ich, dass sich das ausgleicht), teils, weil sie ständig schnorren.

Als ich mich umziehe, starre ich meinen Körper an, streiche über die zwei kleinen Narben an meinem Bauch, kratze die langsame verheilenden Schnitte an meinem Oberschenkel so lange, bis es rot wird und starre immer wieder meine Arme an. So viele Schnitte sind dazu gekommen - und meine Mutter weiß es nicht. Ich habe Angst. Will sie nicht enttäuschen. Nicht schon wieder.

Ich wiege 38,x, so viel ist sicher, aber ich kann es meiner Mutter nicht sagen, weil ich sie nicht enttäuschen will.

Montag, 16. November 2015

Liebster, verlorener Zwilling...

Ich vermisse dich.
Dabei warst du nie da.
Mein Herz schreit.
Nach dir.
Meine Seele schreit.
Nach dir.
Hauthunger.
Trennungsangst.
Sehnsucht, Sehnsucht, Sehnsucht.
Eifersucht.
Schuldgefühle.
Ich vermisse dich.
Dabei warst du nie da.

Sonntag, 8. November 2015

Ferien

Die letzte Woche waren wohl die schlimmsten und gleichzeitig schönsten Ferien seit langem. Es waren meine totalen Absturzferien, auf die ein Rückfallwochenende vom Feinste folgt(e).
Seltsamerweise vermisse ich den März. Die Zeit, in der ich nahezu 24/7 suizidgefährdet war. Das war irgendwie weniger anstrengend und keine Gefühlsachterbahn. Gott, was stimmt nur nicht mit mir?

Mittwoch, 4. November 2015

Vielleicht

Ich will schreiben. So viel. Will schreiben, dass ich ein einziger, großer Klumpen aus Angst und Reue und Selbsthass bin. Will lesen, was in euren Leben passiert. Aber mir fehlt die Konzentration. In meinem Kopf sind so viele Gedanken, dass ich keinen einzigen davon wirklich greifen kann, es fällt mir schwer, einen einfach Satz zu bilden.
In meinem Kopf flüstert leise die Stimme des Narbenmädchens: Deo!
Ja, vielleicht liegt es wirklich am Deo. Vielleicht auch nicht. Vielleicht liegt es am Sternenkind, dem Narbenmädchen, dem Katzenjungen, meinem verlorenen Zwilling, dem Reagge-Raucher und dem Metal-Raucher, allem anderem, was tief in mein Gehirn gebrannt ist, ohne, dass ich es wirklich will. Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem. Vielleicht ist es gar nichts davon. Ich weiß es nicht. Es macht mir Angst, irgendwie. Und es ist mir gleichzeitig egal, irgendwie.

Montag, 2. November 2015

Sinn(los)

Ich sitze hier. Will irgendwas schreiben, was Sinn macht. Aber nichts scheint Sinn zu ergeben. Ich will auf eure Kommentare antworten, die wirklich dafür gesorgt haben, dass es mir ein bisschen besser geht. Aber ich hab einfach keine Ahnung, was ich schreiben soll. Alles scheint so sinnlos.